Katastrophenübung auf dem Bodensee

27. Mai 2019
Übung

Ein havariertes Schiff nahe dem Schachener Rücken hat 1000 Liter Treibstoff verloren. So lautet die Alarmierung am Freitagabend bei der Lindauer Hauptwache, der Wache Nord, der Feuerwehr Wasserburg und dem Technischen Hilfswerk (THW). Diese Feuerwehrstandorte sowie das THW sind in an diesem Nachmittag in eine große nationale Ölwehrübung eingebunden, zu der auch das Einsatzleiterfahrzeug aus Nonnenhorn und ein Trupp der Opfenbacher Feuerwehrkollegen hinzukamen.

Die Sachlage ist schnell klar gewesen: Das havarierte Schiff, dargestellt vom „Hecht“ der Wasserschutzpolizei, muss mit Ölsperren isoliert werden. Gedacht ist zunächst an ein Quadrat aus mobilen Sperren, die mit Ankern fixiert werden sollten. Das Öl, das zwischenzeitlich aus dieser Fläche entwichen ist, soll mit dem sogenannten SÖG aufgenommen werden, dem „selbstfahrenden Ölaufnahmegerät“, wie es fachgerecht genannt wird.

Was das schnelle Einbringen der Ölsperren von den Spezialanhängern der Feuerwehren jedoch erschwert, sind die Treibholzteppiche, die sich an weiten Uferstreifen breit gemacht haben. So müssen die Fahrzeuge nach Bad Schachen und vor dem Hotel ihre Rollen ins Wasser lassen, von wo sie mit Booten der Feuerwehren Lindau und Wasserburg sowie des THW an die angedachte Einsatzstelle geschleppt werden. Das alles braucht seine Zeit, zumal sich durch Wind und Wellengang ständig neue Entwicklungen ergeben könnten, was den Ölteppich und seine Ausbreitung anbelangt.

Die Lösung: Die Drohne, die der Landkreis für die Feuerwehren des Kreises angeschafft hat und die bei der Feuerwehr in Opfenbach untergebracht ist. Mit ihrer Hilfe können sich die Männer und Frauen der Einsatzleitungsfahrzeuge immer wieder ein Bild davon machen, ob und wie der Aufbau der Sperren vorangeht und – was noch wichtiger in so einer Situation ist – kontrollieren, ob sich die Einsatzkräfte da draußen im richtigen Bereich befinden. Der Blick von oben ist da unersetzlich, wie sich gezeigt hat. Die Drohnenbilder werden auf den großen Monitor des Lindauer Einsatzleitungsfahrzeug übertragen, bewertet und eventuelle Kurskorrekturen zu den Einsatzbooten gemeldet.

Probleme ergeben sich beim Versuch, die Ölsperren um den Hecht zu verankern, so dass schließlich aus dem geplanten Quadrat ein Dreieck wird, ohne geometrische Formeln anwenden zu müssen.

Nach knapp zwei Stunden darf die Drohne über das Resultat hinwegfliegen und dokumentieren, dass nun alles korrekt in Stellung gebracht ist: Das Dreieck steht oder besser schwimmt, zwei Einsatzboote des THW und der Lindauer Feuerwehr ziehen die Ölsperren und das SÖG wie einen Trichter, in dem das freischwimmende Öl aufgesammelt wird.

Nachdem alles dokumentiert und fotografiert ist, kann wieder abgebaut werden. Die 80 Einsatzkräfte treffen sich in der Hauptwache zur Nachbesprechung, Analyse von Problemen sowie Verbesserungsmöglichkeiten. Denn dazu ist die Übung schließlich gedacht: Schwachstellen entdecken und Lösungen entwickeln.

Quelle: Schwäbische.de, 26.05.2019