Lindauer Feuerwehr will sich wieder mehr auf ihre Kernaufgaben konzentrieren

31. Januar 2019
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Abgebrochene Äste beseitigen, Kanäle reinigen und Straßensperrungen regeln – das alles hat die Feuerwehr im vergangenen Jahr gemacht. Mit ihren originären Aufgaben hat das aber nicht viel zu tun. Doch auf diese müsse sich die Feuerwehr wieder mehr konzentrieren können, mahnte Kommandant Max Witzigmann bei der Hauptversammlung am Montagabend. Schließlich hätten Ehrenamtler und Hauptamtler auch damit mehr als genug zu tun.

Seine Kritik verpackte Witzigmann humorvoll. So könne man die Lindauer Feuerwehr auch ganz amerikanisch als S.W.A.T. (Straßen-und-Wege-Absicherungs-Team), als CIA (Club für Improvisation bei der Anfahrt zur Einsatzstelle), NSA (Notgemeinschaft zur Säuberung von Straßenabschnitten) oder DEA (Die ehrenamtlichen Aufräumer) bezeichnen.

„Ich hatte in meiner Mailbox im vergangenen Jahr allein 115 Nachrichten mit dem Begriff Thierschbrücke“, erzählte er. „Die Ampeln sind immer wieder ausgefallen, und der Rückstau war ein großes Problem.“ Immerhin sei die einspurige Ersatzbrücke mehrere Monate lang die einzige Zufahrt zur Hinteren Insel gewesen. Witzigmann mahnte: „Wir müssen uns auf unsere Pflichtaufgaben konzentrieren und dürfen uns nicht von unseren Kernaufgaben ablenken lassen.“

Dass auch ihre Kernaufgaben die Lindauer Feuerwehr ganz schön in Atem halten, zeigte Witzigmanns Jahresrückblick. 2018 begann für die Kameraden mit einer großen Herausforderung: Ein Haus im Zitronengässele, Lindaus engster Gasse, hatte Feuer gefangen.

Kurze Zeit später gab es einen Brand in einem Hotel auf der Mauer. Gleichzeitig löste die Brandmeldeanlage in der Jugendherberge aus, und der Rettungsdienst benötigte eine Drehleiter, um einen Patienten aus einem Haus zu holen. Dass die Feuerwehr mehrere Einsätze gleichzeitig bewältigen muss, ist laut Witzigmann keine Seltenheit.

Auch beim Großbrand in Hergensweiler im vergangenen Frühjahr war die Lindauer Feuerwehr zur Stelle und hat die Kollegen in der Gemeinde unterstützt. Zu den Einsätzen, die allen in Erinnerung bleiben werden, gehört außerdem der Mann, der im Oktober einige Meter von einem Gerüst gefallen ist. Er hat den schweren Sturz zum Glück überlebt. „Er hat uns geschrieben und sich noch einmal bedankt“, erzählte Witzigmann am Montagabend.

Nur wenige Wochen später brannte eine Scheune in Streitelsfingen. Dass dieser Brand so glimpflich ausgegangen ist, sei vor allem einem Feuerwehrmann zu verdanken: Daniel Wilhalm, der ums Eck wohnt, hatte allein zu löschen angefangen. So konnte sich das Feuer bis zum Eintreffen seiner Kameraden nicht weiter ausbreiten und war bald besiegt. Kurz vor dem Jahreswechsel wurde es tierisch. Da musste die Feuerwehr einen Schwan retten, der sich auf ein Dach verirrt hatte.

Probleme beim Digitalfunk sind gelöst

Ebenfalls weniger zu den Kernaufgaben eines Feuerwehrkommandanten gehört es, sich um technische Probleme zu kümmern. Weil bei Starkregen der Digitalfunk in Lindau aber immer wieder ausgefallen war, hatte sich Max Witzigmann dafür stark gemacht, dass nachjustiert wird. Mit Erfolg. „Mittlerweile hat die Leitstelle die Fehler identifiziert und behoben“, verkündete er stolz. Doch nicht nur der Ehrenamtler, auch die hauptamtlichen Kollegen hätten viel Zeit in die Einrichtung des Funksystems gesteckt: Insgesamt waren das laut Witzigmann 250 Stunden Arbeit.

Doch auch abgesehen von der Digitalisierung: Die Arbeit der Feuerwehr hat sich, so Witzigmann, gewandelt. Durch Touristenmassen im Sommer und die vielen Baustellen in den vergangenen Jahren. „Die Gefahren in der Stadt haben sich verändert“, sagte der Kommandant. Aus diesem Grund untersuche ein externes Beraterbüro derzeit, wie es um die Lindauer Feuerwehr – auch hinsichtlich der Hilfsfrist – bestellt ist. „Wir werden Maßnahmen empfohlen bekommen und der Stadtrat sollte dieser Empfehlung folgen.“ Dazu gehöre auch, dass man sich Gedanken um einen weiteren hauptamtlichen Feuerwehrmann mache.

Doch auch bei den Ehrenamtlern gelte es, neues Personal zu gewinnen – und zu halten. „Das Personal darf nicht abwandern, weil die Leute wegziehen um woanders günstigere Wohnungen zu finden.“

Ganz ähnlich sieht das Kreisbrandrat Friedhold Schneider. „Es ist eine Aufgabe der Zukunft, dass die Leute hier wohnen bleiben“, sagte er am Montag. Ebenso wichtig sei es, die Feuerwehr mit der nötigen technischen Ausrüstung zu unterstützen. „Es gibt ganz einfach zu wenig Ölsperren“, sagte der Kreisbrandrat. Das könne man sich mit dem Bodensee als Trinkwasserspeicher vor der Haustür schlicht nicht erlauben.

Oberbürgermeister Gerhard Ecker, Landrat Elmar Stegmann und Sabine Göttler, Chefin der Lindauer Polizeiinspektion, bedankten sich in ihren Grußworten noch einmal ausdrücklich für die Hilfe der Feuerwehr im Schneechaos um den Dreikönigstag. Wie berichtet ist die Feuerwehr allein an diesem Wochenende 70mal ausgerückt. „Spätestens seit diesem Wochenende wissen wir wieder, was wir an der Feuerwehr haben“, sagte Ecker.

Landrat Elmar Stegmann hat an besagtem Wochenende selbst in der Feuerwache vorbei geschaut und Witzigmann teilweise sogar geholfen, die Einsätze zu koordinieren. Im ganzen Landkreis seien zwischen dem 4. und 14. Januar etwa 600 ehrenamtliche Helfer unterwegs gewesen, um die Schneemassen zu bewältigen. „Es ist nicht selbstverständlich, dass die Arbeitgeber einen springen lassen“, lobte Stegmann.

Ebenfalls gern mehr Personal hätte Lindaus Polizeichefin Sabine Göttler. „Wir sind da leider fremdbestimmt und hoffen bis dahin weiter auf Eure Gnade“, sagte sie. Aber „Schwan“, das könne die Polizei auch, erklärte Göttler mit einem Zwinkern in Richtung Wasserschutzpolizei-Chef Klaus Achtelstetter, den sie liebevoll als neuen Schwan-Experten der Polizei vorstellte.

Ein Jahr mit Besonderheiten

Die Lindauer Feuerwehr ist im vergangenen Jahr zu knapp 360 Einsätzen ausgerückt. Doch auch abgesehen davon ist viel passiert, wie Wolfgang Kuen Vorsitzender des Feuerwehrvereins, am Montagabend berichtete. Zu den Höhepunkten gehörte ein Besuch der Feuerwehrkameraden aus Chelles im September.

Dafür hat die Lindauer Feuerwehr knapp 3000 Euro ausgegeben, ein Grund, weshalb ihr Vermögen um 5000 auf 19 000 Euro geschrumpft ist, wie Kuen erläuterte. Wenn alles klappt, sei bald ein Gegenbesuch geplant.

Anstrengend für die Feuerwehrleute, aber sehr schön für die Besucher war der Blaulichttag, der im April auf der Lindauer Insel stattgefunden hat. „Und bei der Floriansmesse am 4. Mai waren wir trotz Brand in Hergensweiler gut vertreten“, sagte Kuen, der nun seit einem Jahr den Vorsitz des Feuerwehrvereins inne hat.

Langjährige Mitglieder werden geehrt

Mitglied der Feuerwehr ist Kuen allerdings schon viel länger, und zwar seit 30 Jahren. Ebenso wie Andreas Dahlhaus, Gerhard Kapeller und Peter Roth. Kommandant Max Witzigmann und Oberbürgermeister Gerhard Ecker ehrten die fünf. Ebenfalls geehrt wurden Manuel Renz und Oliver Linier für 25 Jahre, Thomas Reutin und Stephan König für 20 Jahre, sowie Christian Daniel, Daniel Wilhalm, Daniel Müller, Denis Matic, Thomas Huber, Stefan Grüner, Lars Fausel und Florian Bodler für zehn Jahre.

Quelle: Schwäbische.de