Schneechaos in Lindau

6. Januar 2019
Einsatz

Ununterbrochener Schneefall sorgt im Landkreis Lindau für Chaos. Feuerwehr, Polizei und Bauhof sind im Dauereinsatz. Einige Straßen sind bereits gesperrt, denn es besteht Lebensgefahr für Autofahrer und Einsatzkräfte. Landratsamt und Polizei mahnen alle Bürger, wenn möglich daheim zu bleiben.

„Das hab ich in 20 Jahren noch nicht erlebt“, sagt Bauhof- Chef Danny Hemkens. Er ist mit mehr als 30 Leuten und allen Fahrzeugen seit Samstagnacht im Einsatz. „Wir kämpfen, dass der Verkehr nicht ganz zum Liegen kommt.“ Doch die Situation verschärft sich, sagt Hemkens. „ Jetzt kommt alles dazu.“ Da der Schnee so schwer ist, besteht die Gefahr, dass Äste brechen. „Da besteht Lebensgefahr“, sagt Hemkens. Er musste daher die Stadtbuslinie komplett sperren.

„Weder kommen unsere Fahrzeuge auch nur im Ansatz über die Lindauer Straßen, noch können wir es riskieren, Leib und Leben unserer Fahrgäste und der Mitarbeiter zu gefährden“, begründet Stadtbus-Chef Thomas Gläßer die Entscheidung.

Auch wenn Hemkens und seine Männer Samstag von 4 Uhr bis 23 Uhr und Sonntag seit 4.30 Uhr ununterbrochen im Einsatz sind, stoßen sie bei diesen Wetterverhältnissen an ihre Grenzen. Da die kleinen Traktoren dem extrem schweren Schnee nicht gewachsen sind, musste er sie umbauen. Und er hat schon jetzt soviel Salz verbraucht, dass er sich Sorgen macht, es könnte nicht reichen.

Wer kann, sollte daheim bleiben

Polizei und Landratsamt haben mittlerweile eine offizielle Warnmeldung für alle Lindauer veröffentlicht. „Aufgrund des anhaltenden Schneefalles und der hohen Schneelast auf Dächern und Bäumen drohen Dachlawinen und Bäume umzustürzen. Es wird daher dringend empfohlen, wenn möglich zuhause zu bleiben“, schreibt die Polizei. Anwohner sollen wenn möglich auch ihre Nachbarn informieren.

Was die schweren Dachlawinen anrichten können, hat sich bereits in der Nacht zum Sonntag gezeigt, als der Schnee vom Dach der Kirche St. Stephan gefallen ist und die darunter parkenden Autos beschädigt hat. Der Bereich ist mittlerweile abgesperrt.

Wegen Schneebedeckter Straßen und glatter Fahrbahn hat es im Bereich des Polizeipräsidium Schwaben Süd/West am Samstag innerhalb von zwölf Stunden insgesamt 135 Verkehrsunfälle gegeben. Dabei wurden acht Menschen verletzt, einer davon schwer. Dazu kamen 128 Sachschäden.

Laut Lindaus Feuerwehrkommandant Max Witzigmann ist die B31 zwischen Sigmarszell und Kressbronn seit Sonntagfrüh voll gesperrt. Laut Polizei blieben dort am Samstagnachmittag mehrere Lastwagen auf der schneeglatten Fahrbahn liegen und blockierten die Fahrbahn. „Zum gezielten Einsatz des Winterdienstes musste die B31 zeitweise gesperrt werden. Gegen 19 Uhr rollte der Verkehr dann wieder“, schreibt die Polizei aus Baden-Württemberg. Gegen 3.30 Uhr am Sonntagfrüh wurde die Straße dann komplett gesperrt, weil dort bereits mehrere Bäume umgefallen waren, beziehungsweise umzufallen drohten. „Mit einer zeitnahen Aufhebung der Sperrung ist aktuell nicht zu rechnen.“

Laut Lindauer Polizei ist auch die B308 im Dornacher Wald gesperrt. Zu groß ist auch hier die Gefahr, dass Äste oder ganze Bäume abbrechen. Am Sonntagmorgen war auch die A96 eine Zeit lang gesperrt, weil Einsatzkräfte dort einen Baum fällen mussten.

Mehr als 50 Feuerwehreinsätze in Lindau

Feuerwehren und THW im Kreis sind den kompletten Samstag und Sonntag im Dauereinsatz. Der erste Schnee habe zu großen Problemen geführt, schreibt Kreisbrandrat Friedhold Schneider. „Der geographische Höhenunterschied im Landkreis zeigte bei dieser Wetterlage seine Auswirkung.“ Während die Situation im oberen Landkreis winterlich-normal sei, mache der nasse Schnee den Einsatzkräften vor allem um Lindau zu schaffen. Schneider spricht von unzähligen Bäume entlang Straßen, die durch die Schneelast abgeknickt sind und Straßensperrungen wegen querstehender Fahrzeuge. Ein querstehender Lastwagen hatte am Samstagnachmittag für einen mehr als 20 Kilometer langen Stau gesorgt, Autofahrer waren darin mehrere Stunden gefangen.

Bereits am Sonntagmorgen zählt der Kreisbrandrat im Stadtgebiet Lindau rund 50 Einsätze, in Sigmarszell acht, in Wohmbrechts vier, in Bösenreutin drei, in Wasserburg, Gestratz, Weißensberg und Niederstaufen zwei. „Die anhaltenden Schneefälle werden sicherlich noch weitere Hilferufe erzeugen“, so Schneider.

Schon am Samstag kam es laut Bahn zu witterungsbedingten Störungen im Bereich Buchloe und Memmingen. Am Sonntag meldet sie erhebliche Beeinträchtigungen auf den Strecken Immenstadt - Kempten, Immenstadt - Oberstaufen, Ulm - Kempten, Wangen - Hergatz und Lindau - Hergatz. „Es ist mit Verzögerungen zu rechnen. Auch kann es kurzfristig zu Zugausfällen kommen“, schreibt die Bahn.

„Das ist eine Extremsituation für Lindau, da kann ich nichts ändern“, sagt Hemkens. Sein einziger Lichtblick: Laut Wetterbericht soll es am Mittag aufhören zu schneien.

Quelle: Schwäbische.de